„Wie soll ich beweisen, dass ich kein Kamel bin?“

„Wie soll ich beweisen, dass ich kein Kamel bin?“

In der Sowjetunion fanden bekanntermaßen die Moskauer Prozesse statt. Das Besondere an ihnen war, dass deren Ergebnisse von vornherein feststanden. Die Angeklagten versuchten es teils mit Erklärungen, um sich herauszuwinden. Aber wenn man aber so anfängt, dann hat man schon verloren. Allerdings hätte man auch in jedem anderen Fall keine Chance gehabt.

Der sogenannten westlichen Welt wird zurzeit auch der Prozess gemacht. Und was dabei herauskommt, das steht schon fest: Der Okzident ist rassistisch, sexistisch, homophob und in Teilen faschistisch. Das Gegenteil zu beweisen fällt schwer, zumal die Eliten diese Ansicht selbst vertreten und verbreiten. Dabei sind natürlich auch die meisten Beweise gefälscht oder dünn. Aber man kann sie leicht beschaffen. Und Zeugen finden sich doch immer.

Und dann natürlich die Selbstbefragung des Angeklagten! Wer hätte nicht auch schon einmal rassistische, sexistische, homophobe oder sogar rechte Gedanken gehabt? Voilà, an der Sache ist also was dran. Und das Gegenteil zu beweisen, das fällt schwer. Doch halt! Ist es wirklich ein Verbrechen, ein bisschen rassistisch zu denken. Darf man Frauen nicht die Tür öffnen? Handelt es sich um eine Straftat, sich über Schwule lustig zu machen? Und wird man zu einem Wiedergänger Hitlers, wenn man bedauert, dass Berlin wegen der vielen Migranten keine lebenswerte Stadt mehr ist und deswegen ins Umland zieht? Und macht das die Gesellschaft zu einem Vierten Reich?

Auch früher hat man die Gesellschaft gerne in Bausch und Bogen verdammt. Wir erinnern und an Adorno Spruch: Es gebe kein richtiges Leben im Falschen. Ein Satz und alles ist Asche. Und schwer zu widerlegen ist er außerdem. Doch wer anfängt, sich zu verteidigen, der hat schon verloren. Man versuche einmal zu beweisen, dass man kein Rassist ist. Mit jeder Bemerkung wird es schlimmer und peinlicher. Besser ist es wohl, gleich zuzugeben, dass die Welt nicht perfekt ist, dass man Rassist ist, dass man schon mal sexistische Gedanken hatte und dass man deshalb keine Alpträume hat. Immerhin ist es nicht verboten, kein guter Mensch zu sein. Verboten ist es nur, Gesetze zu übertreten. Wenn man den Gedanken beherzigt, dann ist der Bann gebrochen. Jetzt muss man nur noch den Mut haben, den Anklägern zu sagen, dass sie doch auch heimlich Gedanken hegen, die nicht ganz koscher sind. Doch damit es niemand merkt, vor allem sie selbst, müssen sie eben besonders laut tönen. Lassen wir uns also nicht ins Bockshorn jagen, sondern stehen wir dazu, dass wir nicht perfekt sind. Vor allem dazu, es nicht sein zu wollen.

Christian Kümpel

Bild: Pixabay

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