Schwarz und Weiß

Wer im 18. Jahrhundert weiß war und keinen gebräunten Teint kannte, der verfügte über die sogenannte vornehme Blässe, die einen Adligen auszeichnete. Wer eine aristokratische Anmutung suchte, der puderte sich. Schon im 20. Jahrhundert galt dagegen der sonnengebräunte Typ als sozialer Aufsteiger. Immerhin konnte er es sich leisten, nicht im sonnenlosen Büro zu versauern. Jetzt verstärkt sich der Trend: Je dunkler, desto besser.

Sehr dunkel, das entspricht dem Hauttyp VI. Man kann ihn laut Wikipedia folgendermaßen beschreiben: dunkelbraune bis schwarze Haut auch in ungebräuntem Zustand, schwarze Haare. Dieser Typus entspricht im Aussehen der neuen Adelskaste. Doch nicht alle können da mithalten. Und nicht alle können so ohne weiteres behaupten, sie wären POCs (People of Colour).

So beschwerte sich die Politikerin die Rashida Tlaib laut Washington Examiner darüber, nicht als Farbige eingetragen zu werden. „The congresswoman from Michigan was upset that the 2020 census does not include “Middle Eastern/North African” as an option in the ethnicity category despite an Obama-era study that recommended otherwise.“ “Do I look white to you?” Tlaib asked Dillingham. Ich fürchte, ja.

Tragisch. Denn viele aus der Türkei, Nordafrika oder Mittel- und Südamerika sind nicht so richtig dunkel. Deshalb kann man sie leicht mit Weißen verwechseln. Doch auch am anderen Ende der Hautfarbenskale gibt es Sorge. Um zu verhindern, dass Kinder zu hellhäutig werden, warnt Stormi Maya: „Facts, white people stop having mixed kids until you understand black culture and struggles . Don’t fetishize black genetics . And black people don’t fetishize mixed kids either , they are humans not pets … you’re also sending a message to full black kids that they aren’t cute.” Man könnte das als eine rassistische Bemerkung ansehen, wenn man nicht wüsste, dass nur Weiße solche Bemerkungen machen können.

Mestizen, Mischlinge, galten in Kolonialzeiten als Säulen der kolonialen Herrschaft. Von den Kolonialherren nicht für voll genommen, waren sie auch bei den Kolonisierten nicht wohl gelitten. Es scheint aber auch heute nicht immer leicht, irgendwas dazwischen zu sein, wenn man den Tweed richtig deutet.

Schließlich sei noch auf folgende Nachricht von Hasnain Kazim hingewiesen: “Token”,  äußerlich POC, aber innerlich weiß. Und was mich wirklich nachdenklich stimmt, ist, dass mir Leute vorwerfen, ich sei mit einer Weißen verheiratet.” Kazim gehört also auch nicht zum neuen Adel. Damit kann er nicht zufrieden sein. Aber vielleicht ist die Hautfarbe auch nur eine Frage der Einstellung. Denn wenn Geschlecht ein soziales Konstrukt ist, warum nicht auch der Teint?

Ich nehme jedenfalls für mich aus der Debatte Folgendes mit: Farbengläubige müssen sich keine Sorgen machen. Am Ende wird wie eh und je darauf geachtet, dass die Hauttypen die entscheidene Rolle spielen, denn wir sind uns zumindest unter der Haut ähnlicher, als wir glauben. Was für ein tröstlicher Gedanke.

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Mehr Licht!

Ist der Rassismus der Grund für Ungleichheit? In einer britischen Studie zum Thema wird festgestellt, dass es keinen systemischen Rassismus in Großbritannien gibt, wenn man darunter die Benachteiligung von Minderheiten durch den Staat und die Gesellschaft versteht. Diese Feststellung wird nun hart angegriffen. Verständlicherweise, denn mit dem aktuellen Konzept systemischen Rassismus hat man einen Schlüssel in der Hand, der vermeintlich alle Türen öffnet. Den möchte man nicht aus der Hand geben. Ian Leslie, britischer Publizist, findet das allerdings nicht richtig. In der FAZ wird er mit folgenden Worten zitiert: „Was ist der Grund für Ungleichheit? Rassismus. Woher wissen wir das Ungleichheit von Rassismus verursacht wird?“ Weil Ungleichheit existiert.“ Diese Art zu argumentiere kennt man bereits. Was ist der Grund für Armut in Afrika? Kapitalismus. Woher wissen wir das? Weil Armut in Afrika existiert.

Menschen haben die Tendenz gerne Abkürzungen zu nehmen. Das spart Energie. Es spart ebenfalls Energie, wenn man gedankliche Konzepte entwickelt, die alles erklären, was vermeintlich falsch läuft, ohne dass sie irgendetwas erklären. Denn wenn es nicht am Rassismus liegt, dass dunkelhäutige Kinder weniger erfolgreich sind, dann muss man wieder nachdenken. Dass kostet Kraft. Und am Ende könnte man am Ende sogar zu dem Schluss kommen, dass Menschen mit dunkler Hautfarbe nicht immer so erfolgreich agieren, weil auch Religion und Kultur eine Rolle spielt bei der Frage, ob jemand in der Gesellschaft weiter kommt oder nicht. Hierüber würde sich zu sprechen lohnen. Doch wird das überhaupt gewünscht?

Zum Schluss noch ein Witz, der auch was mit einem Türöffner zu tun hat. Ein Betrunkener kriecht um eine Laterne herum. Ein Polizist fragt ihn, was er da suche. „Meinen Schlüssel.“, antwortet der Betrunkene. Wo er ihn verloren habe, fragt der Polizist: „In der dunklen Ecke!“ „Warum suchen Sie denn nicht da?“ fragt verdutzt der Beamte. „Na hier ist mehr Licht.“

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Hammer und Nagel

Es gibt Konstruktivismus, Sozialismus, Naturalismus, Darwinismus und noch andere Konzepte, die mit -mus enden. Wer ein Konstruktivist ist, der wird überall Konstruktionen erkennen. Der Strukturalist wird eher dazu neigen, Strukturen zu sehen. Wer aber ein Rassist ist, der klopft alles erst mal auf den ethnischen Hintergrund ab. Der berüchtigte Rassist Adolf Hitler ging dabei so weit, dass er das Weltgeschehen als einen ständigen Rassenkampf sah. Dass diese Sichtweise zu nichts Gutem führte, ist heute fast jedem geläufig.

Diese Form des eingeschränkten Denkens ist dennoch weithin verbreitet. Auch die Identitätspolitiker sind zum Beispiel der Meinung, dass der Rassismus der Schlüssel wäre, um alle Türen zu öffnen. Und so stellen sie fest: Schwarze sind nur deshalb so wenig erfolgreich, weil es Weiße gibt. Weiße zwingen anderen weißes Denken auf. Weiße unterdrücken Schwarze in mannigfacher Weise. Weiße zerstören die Kultur der Farbigen. Und selbst wenn sich die Weißen sozusagen aus Staube machen, um nur noch in ihren weißen Vorstädten zu wohnen, ist es auch nicht recht. Denn das ist Segregation. Anders gesagt: Egal, was der Weiße tut, er tut es, weil er ein Rassist ist. Und Rassisten können nichts richtig machen.

Nun heißte es: „Wer als Werkzeug nur einen Hammer hat, sieht in jedem Problem einen Nagel.“ Man kennt das Prinzip als Law of the instrument. Und wie im wahren Leben ist der Hammer durchaus nützlich, wenn man einen Nagel in die Wand treiben will. Er wird allerdings zum Problem, falls man damit die Fensterscheibe putzen möchte. Ein weiterer nützlicher Hinweis lautet: „Kaffeetassen fallen vor allem dann auf den Boden, wenn man morgens mit dem linken Fuß aufgestanden ist.“ Soll heißen: Wer eine Bestätigung für seine Thesen sucht, der wird sie auch finden. Was will ich damit sagen?

Nun, ich will nicht bestreiten, dass es in Deutschland einen gemäßigten Rassismus gibt, der im Wesentlichen darin besteht, dass man gerne unter seinesgleichen bleibt, dass man Ausländern nicht unbedingt so vertraut wie dem deutschen Nachbarn und es nicht unbedingt begrüßt, wenn ein Asylantenheim in unmittelbarer Nähe des neuen teuren Einfamilienhauses errichtet wird. Dass man sich nicht zu dieser Form des Rassismus bekennen darf, ist der Grund, warum die Heuchelei in diesem Land so verbreitet ist. Dennoch ist es nicht so, als ob nun alles mit Rassismus zu erklären wäre. Zum Beispiel Ehrenmorde in der muslimischen Community oder Klitorisverstümmelungen bei unseren afrikanischen Mitmenschen oder die Leistungsbereitschaft bei vietnamesischen Einwanderern. Wer mit der sogenannten Realität umgehen will, die im Übrigen sehr komplex ist, der sollte also wie ein Handwerker auch mal das Werkzeug wechseln, wenn der Hammer nicht geeignet ist, die Arbeit zu erledigen. Andernfalls könnte es passieren, dass man sonst alles kaputt schlägt. Sogar sein neues Zuhause.

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Jeder kann jetzt Opfer sein

Das Wort Opfer hat bekanntermaßen verschiedene Bedeutungen. Da geht es um das Opfer, das einer Gottheit gebracht wird, das Tatopfer, schließlich das Opfer der Verhältnisse. So ein Opfer könnte eine Frau sein, die sich vielleicht prostituieren musste, um ihr vaterlosen Kind durchzubringen. Doch nun muss der Opferbegriff noch einmal gedacht werden. Opfer können auch Menschen sein, die zwar reich und schön sind, allerdings von einer königlichen Familie rassistisch ausgegrenzt werden. Das das überhaupt möglich ist, verdanken wir der Identitätspolitik. Denn man kann auch als privilegierter Mensch einer Gruppe angehören, die es schwer hat bei den Royals. Und wenn man großes Glück … ich meinte natürlich Pech hat, dann gehört man gleichzeitig zur Gruppe der Amerikaner. In diesem Fall ist man intersektional betroffen. Denn wie auf einer Kreuzung, US-amerikanischen Englisch „Intersection“, kann man erst von einem PKW und danach noch von einem LKW überrollte werden. So eben auch Herzogin Meghan, die in Großbritannien nicht nur wegen ihrer Hautfarbe, sondern auch wegen ihrer uramerikanischen Art (berechnend und hypokrit) keinen einfachen Stand hat, besonders aber eben als sogenannte Schwarze. Und ja, es soll auch konkrete Vorfälle gegeben haben, wenn man ihren Ausführungen glauben will. Mitglieder des königlichen Haushalts fragten, welche Hautfarbe nun ihr Kind nach der Schwangerschaft haben möge. Schlimm das! Nun ist es allerdings so, dass Meghan Markle eher nicht so aussieht, wie man sich den typischen Schwarzen vorstellt. Eher entspricht sie dem Typus von dem Umberto Eco meinte, dass er das Ergebnis der großen bevorstehenden Vermischung sein werde: Mit brauner Haut, aber nicht mehr zuzuordnen. Anders gesagt, ihr Teint könnte auch das Produkt eines Karibikurlaubs gewesen sein. Nun wird durchaus mit Gründen argumentiert, dass es sein könne, die Herzogin habe sich in Großbritannien nicht wohl gefühlt. Man denke auch nur an Prinzessin Di. Immerhin auch ein Täter-Opfer, wenn man so will. Allerdings sollte doch nicht außer Acht gelassen werden, dass ein Boxer, der einen Nasenstüber verpasst bekommen hat und darauf dem Gegner einen schweren Leberhaken verpasst, so dass dieser ins Krankenhaus muss, kaum als Opfer bezeichnet werden kann. Jedenfalls könnte man mit Fug und Recht auch meinen, dass die königliche Familie das Oper von Meghan ist. Denn wie es aussieht, sind diese nun als Rassisten in der ganzen Welt unmöglich geworden. Und damit hätten wir am Ende auch noch eine neue Opfergruppe gefunden: die Royals. Identity Policy macht´s möglich.