Ich bin Opfer, also bin ich

Was haben einige Farbige und Donald Trump gemeinsam? Sie sind Opfer. Ständig jammern sie herum, wie schlecht sie behandelt werden. Und sie sind nicht die einzigen. Da gibt es noch die Transsexuellen, die Homosexuellen, die Harz-4-Empfänger und die AfD-Anhänger. Und was ist mit den Geimpften? Sind sie nicht auch Opfer? Irgendwie sind wir also alle viktimisiert. Und was folgt daraus? Sicher zweierlei. Wenn alle Opfer sind, dann muss man sich schon ein bisschen mehr anstrengen, wenn man als Opfer noch wahrgenommen werden will. Da helfen extreme Ansichten und Maßnahmen. Deshalb wohl die Dauerhysterie und die Identitätspolitik von links und rechts. Und dann muss man natürlich den anderen den Opferstatus absprechen. Das bekommen nun auch die Feministen zu spüren. Das es jedenfalls eine klare Opfer-Wertehierarchie gibt, dachte wohl auch Tschechow, der meinte: Vergiss nicht, dass es besser ist, Opfer zu sein als Henker. So kann man aber eigentlich nur reden, wenn man nicht wirklich geköpft wird.

Man könnte nun darüber spekulieren, warum es so attraktiv geworden ist, Opfer zu sein. Ich persönlich vermute, das fing mit Jesus an. Großes Opfer, große Belohnung. So sitzt er nun zur rechten Gottes. Aber auch in nicht-christlichen Kulturkreisen geriert man sich gerne als Victim. Die Gründe dafür sind vielfältig: Ein Opfer zu sein, das schafft Identität im Sinne von Einmaligkeit. Ich leide also bin ich. Dann bekommt man auch noch Aufmerksamkeit. Das ist die eigentliche Währung in einer Gesellschaft der Aufmerksamkeitsökonomie. Schließlich erhält man auf subtile Art und Weise Macht über andere, wirkt grundsätzlich unschuldig und gelangt auch zu moralischer Überlegenheit, die einem der Opferstatus zukommen lässt. Man wird Opfer und Richter in einem. Unsere postheroische Gesellschaft scheint das Opfersein so geradezu zu befördern. Vielleicht auch, weil man doch vom Tätervolk herkommt, das überwunden werden muss. Aber vielleicht ist es einfach auch nur eine zwangsläufige Entwicklung der Spätkultur. Vom kulturlosen Rüpel zum rüpelhaften Sensibelchen.

Erstaunlich wie anders da noch vor zwei, drei Generationen unsere Vorfahren waren. Ich denke da nur an Arnold Gehlen oder Ernst Jünger. Das waren gepanzerte Persönlichkeiten, die bis ins Mark das Kühle und Distanzierte pflegten. Sie personifizierten die Verhaltenslehre der Kälte. Man hätte sich verbeten, Opfer zu sein. Ob extreme Härte gegen sich selbst immer gut ist? Vermutlich nicht. Doch wie das immer so ist: Man überwindet das eine nicht ohne das Kosten anfallen. Man hat sicher das Männliche, Harte und Unbarmherzige hinter sich gelassen. Doch vor uns steht nun der Jammerlappen als Schwundstufe der Kultur, der zwischen Wut und Selbstmitleid hin und her schwingt und sich als Daueropfer geriert, der seinen Safe Space braucht. Die Identitätspolitik ist dabei nur die passende Ideologie für einen neuen Typus Mensch: der Pseudologe. Gehört ihm die Zukunft? Mit Sicherheit nicht. Die Sehnsucht nach dem Männlichen wird vermutlich wieder stärker. Und dann wird der Pendel wieder in die andere Richtung ausschlagen. Wann es soweit sein wird, vermag ich nicht zu sagen. Aber irgendwann wird man der vielen Opfer überdrüssig. Und dann könnte es bitter werden.

Christian Kümpel

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Fortschrittstaat: Jeder gegen Jeden

Ich habe eigentlich gar keine Lust mehr Teil dieses Fortschritts-Staates zu sein. Ich will mich um meine Familie und meine Gemeinschaften kümmern und warte hier in der Wagenburg bis die Fortschrittlichen sich via Kritische Theorie & Identitätspolitik selbst zerfleischt haben: WirtschaftsLIBERALE vs GRUENE JUGEND & JUSOS, Wagenknecht vs. LINKE, Thierse vs. SPD, Kubicki vs. QUEER-FDP, AntiDeutsche vs. BDS & Postkolonialisten, Extinction Rebellion vs. FFF, FFF vs. GRUENE, metoo-Frauen vs. alte linke Männer, Diversity-PoCs vs. privilegierte weisse Frauen, LGB & TERF vs. Trans-Aktivisten …

Wer bezahlt, der bestimmt?

Rainer Hank, liberaler Autor der FAS, weist in seiner Kolumne Hanks Welt vom Sonntag darauf hin, dass die Studenten, die Professorin Kathleen Stock weggemobbt haben, weil diese darauf bestand, dass es nur zwei Geschlechter gibt, auch über ihre Marktmacht Einfluss auf die Unis nehmen. Bildung in Großbritannien ist teuer. Wenn man 10.000 Pfund pro Jahr bezahlt, dann möchte man, so die Ansicht einige Studenten, damit auch das Recht erkaufen, von unliebsamen Ideen verschont zu werden. Welche das sind, bestimmt die Identitätspolitik. Solche wäre dann auch die biologische Tatsache, dass es nur zwei Geschlechter gibt.

Ich selbst bin durchaus ein Verfechter der freien Marktwirtschaft. Ich bin aber auch ein Fan von Luhmann. In der Marktwirtschaft gilt: kaufen und verkaufen. In der Wissenschaft gilt: wahr oder nicht wahr. Die beiden Systeme sollte man schön trennen. Anders gesagt: Wenn man sich devote Meinungen kaufen will, dann ist die Uni der falsche Ort. Der richtige Ort dafür sind PR-Agenturen. Das Biotop Uni wird dagegen hoffnungslos kontaminiert, wenn dort andere Erwägungen als wahr oder falsch eine prominente Rolle spielen. Eine gewisse Verschmutzung lässt sich sicher nie vermeiden. Allerdings kommt eben irgendwann der Punkt, da kippt der Teich um. Dann schwimmen nur noch tote Fische an der Oberfläche. Die Unis sind jedenfalls auf dem besten Wege dahin, abzusterben, wenn sie sich als Dienstleister einer Generation versteht, die dem Identitätswahn verfallen ist und ihre Marktmacht entsprechend ausspielt.

Christian Kümpel

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Was ist der nächste Hype?

Jede Gesellschaft braucht eine Erzählung. Am besten aber gleich ein paar. Ganz so, wie ja auch jeder Mensch eine Kleidung trägt, die zu ihm und den Umständen passt. Wenn man zum Beispiel in den Kuhstall geht, dann sind Gummistiefel und dreckige Jeans angemessen. Ein Smoking passte eher nicht ins Bild. Unsere Gesellschaft – wäre sie denn ein Mensch – hat einige Kleider anprobiert. Die hängen da immer noch. Da war die Fortschrittserzählung der ewigen Demokratisierung und Emanzipation. Das war der letzte Chic in den 70igern. Dann ging es auch um das sogenannte Lernen aus der Vergangenheit, um Hitler und das Dritte Reich produktiv machen. Das scheint schon fast eine zeitlose Mode in Deutschland zu sein. Ebenfalls beliebt: Befriedung der Gesellschaft durch Konsum. Das Stück sieht heute eher altbacken aus. Die neuste Mode lautet jedoch: Höherwertigkeit durch Verzicht. Das ist sozusagen teurer italienischer Stoff. Und dann ist da natürlich die Identitätspolitik. Steht der postmodernen Gesellschaft ausgezeichnet. Die Gesellschaft ist dabei aus Opfern und Tätern gestrickt, wobei es kurioserweise erstrebenswert wäre, sich immer mit den Opfern zu identifizieren. Darüber hätte ein Nietzsche noch gelacht. Ihm war immer schon klar, dass die Opfer immer auch Herren sein wollen und einfache Wahrheiten abgründig sind. Allerdings geht die Zeit auch über diese Erscheinung bald hinweg. Dann sind wir in der postpostmodernen Phase. Denn Mode kennt kein Anfang und kein Ende, sondern nur ein ewiges Drehen um sich selbst.

Wenn nun aber, wie bei der Mode, Erzählungen wechseln, dann wird es sicher auch bald ein neues Narrativ geben, um die postpostmoderne Zeit einzuläuten. Und man sieht tatsächlich: Es sieht es so aus, als ob viele dieses Opfergedöns langsam nicht mehr hören können oder wollen. Seien wir ehrlich: Es ist auch anstrengend, immer alles mit der Brille der Identitätspolitik zu sehen. Immerhin erkennt man durch sie nichts, was nicht schon in der Brille selbst begründet wäre. So wie eben dem Kommunisten alles Klassenkampf ist, ist dem Identitätskämpfer alles Identitätskrampf. Öde! Und das Männer, die sich Frauenkleider anziehen und sich damit überall zeigen, nicht mehr belächelt, sondern gefürchtet werden, hat auch keine Zukunft. Das hört auf, sobald der akademische Mittelbau sich sichere Posten verschafft hat.

Ich weiß natürlich nicht, was der nächste Crazy Shit sein wird. Ich vermute aber, die nächste Phase wird geprägt sein, von einer Art Erwachen. Moral bekommt dann wieder den richtigen Platz im Kleiderschrank zugewiesen. Der ist nicht prominent, wie das jetzt der Fall ist. Denn auch diese Mode des ständigen Zeigens der eigenen moralischen Höherwertigkeit, ist irgendwann out. Bald findet man ihn nur noch in Second-Hand-Läden. Dort wird verramscht, was gestern noch als up-to-date galt. Mein persönlicher Favorit für die nächste Saison ist in der Tat: Sarkasmus. Sarkasmus und kühle Töne kleiden auch sehr gut. Wenn man es auch mit anderen Farben statt dem ewigen schwarz-weiß kombiniert, dann könnte das sogar dem breiten Publikum gefallen.

Christian Kümpel


Kein Bildnachweis nötig

Triggernometry mit David Starkey

Hier kommt die Youtube-Episode eines meiner britischen Lieblingspodcasts namens „Triggernometry“. Der britische Comedian Francis Foster und sein russischstämmiger Kompagnion Konstantin Kisin haben diesmal den exzentrischen homosexuellen Historiker David Starkey zu Gast. Starkey hat sich im Laufe seines Lebens vom Linkslibertären zum libertären Konservativen gewandelt. Schwerpunkt ist natürlich wie fast immer bei Triggernometry der Wokeismus. David Starkey springt jedoch wie eine Gazelle leichtfüßig durch die Geschichte und fast jeder Satz wird dabei zum Aphorismus. Seine Grundthese ist, dass eine Gesellschaft, die keinen Dissenz zulässt stirbt. Macht extrem Spaß diesem Oscar Wilde der Historiker zuzuhören 😉

Youngkin vs. CRT

Läuft bei den Republikanern …
… gewonnen habe Glenn Youngkin die Gouverneurswahl im US-Bundesstaat Virginia übrigens vor allem wegen der Schulpolitik und insbesondere der Beschneidung der Mitbestimmungsrechte von Eltern bei Schullehrplan-Themen wie der totalitären Critical Race Theory (https://www.wsj.com/articles/youngkin-parents-critical-race-theory-election-virginia-mcauliffe-governor-crt-education-11635949199).

Wer die deutsche Bundestagswahl in 4 Jahren gewinnen will, sollte daher genau fokussieren wie progressive Bildungsaktivisten ihre identitätspolitische Agenda in unseren Schulen forciert. Für die FDP, in der beide Lager dieses Kulturkampfes aktiv sind kann das besonders gefährlich werden.

Kritisch zur Identitätspolitik und zum BLM-Thema „Critical Race Theory“ in Deutschland berichtet z.B. unser Blog „Denkvorbote“.
Facebook: https://www.facebook.com/Denkvorbote/
Web: https://www.denkvorbote.de
CRT@Denkvorbote: https://www.denkvorbote.de/2021/05/01/critical-race-theory-1-einfuehrung-und-geschichte/

„Wie soll ich beweisen, dass ich kein Kamel bin?“

In der Sowjetunion fanden bekanntermaßen die Moskauer Prozesse statt. Das Besondere an ihnen war, dass deren Ergebnisse von vornherein feststanden. Die Angeklagten versuchten es teils mit Erklärungen, um sich herauszuwinden. Aber wenn man aber so anfängt, dann hat man schon verloren. Allerdings hätte man auch in jedem anderen Fall keine Chance gehabt.

Der sogenannten westlichen Welt wird zurzeit auch der Prozess gemacht. Und was dabei herauskommt, das steht schon fest: Der Okzident ist rassistisch, sexistisch, homophob und in Teilen faschistisch. Das Gegenteil zu beweisen fällt schwer, zumal die Eliten diese Ansicht selbst vertreten und verbreiten. Dabei sind natürlich auch die meisten Beweise gefälscht oder dünn. Aber man kann sie leicht beschaffen. Und Zeugen finden sich doch immer.

Und dann natürlich die Selbstbefragung des Angeklagten! Wer hätte nicht auch schon einmal rassistische, sexistische, homophobe oder sogar rechte Gedanken gehabt? Voilà, an der Sache ist also was dran. Und das Gegenteil zu beweisen, das fällt schwer. Doch halt! Ist es wirklich ein Verbrechen, ein bisschen rassistisch zu denken. Darf man Frauen nicht die Tür öffnen? Handelt es sich um eine Straftat, sich über Schwule lustig zu machen? Und wird man zu einem Wiedergänger Hitlers, wenn man bedauert, dass Berlin wegen der vielen Migranten keine lebenswerte Stadt mehr ist und deswegen ins Umland zieht? Und macht das die Gesellschaft zu einem Vierten Reich?

Auch früher hat man die Gesellschaft gerne in Bausch und Bogen verdammt. Wir erinnern und an Adorno Spruch: Es gebe kein richtiges Leben im Falschen. Ein Satz und alles ist Asche. Und schwer zu widerlegen ist er außerdem. Doch wer anfängt, sich zu verteidigen, der hat schon verloren. Man versuche einmal zu beweisen, dass man kein Rassist ist. Mit jeder Bemerkung wird es schlimmer und peinlicher. Besser ist es wohl, gleich zuzugeben, dass die Welt nicht perfekt ist, dass man Rassist ist, dass man schon mal sexistische Gedanken hatte und dass man deshalb keine Alpträume hat. Immerhin ist es nicht verboten, kein guter Mensch zu sein. Verboten ist es nur, Gesetze zu übertreten. Wenn man den Gedanken beherzigt, dann ist der Bann gebrochen. Jetzt muss man nur noch den Mut haben, den Anklägern zu sagen, dass sie doch auch heimlich Gedanken hegen, die nicht ganz koscher sind. Doch damit es niemand merkt, vor allem sie selbst, müssen sie eben besonders laut tönen. Lassen wir uns also nicht ins Bockshorn jagen, sondern stehen wir dazu, dass wir nicht perfekt sind. Vor allem dazu, es nicht sein zu wollen.

Christian Kümpel

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LET’S GO BRANDON!

„Let’s Go Brandon!“ ist ein politischer Slogan und ein Internet – Meme, das als Euphemismus für „Fuck Joe Biden“ in Bezug auf den 46. Präsidenten der Vereinigten Staaten, Joe Biden, während seines ersten Amtsjahres verwendet wird.

Wie kam es dazu und was hatten die amerikanischen Mainstreammedien damit zu tun?

Gesänge von „Fuck Joe Biden“ waren ab Anfang September 2021 bei Sportveranstaltungen zu hören. „Let’s Go Brandon“ kam zum Einsatz, nachdem die NBC- Sportreporterin Kelli Stavast einen Gesang von „Fuck Joe Biden!“ von Zuschauern bei einem NASCAR- Rennen bewußt oder unbewußt falsch als „Let’s go, Brandon!“ wiedergegeben hatte, während sie den Fahrer Brandon Brown interviewte, nachdem er auf dem Talladega Superspeedway gewonnen hatte . Seither wird der Slogan von Fans der Republikaner benutzt.

Der Videokanal des schwarzen Libertären Colion Noir widmet dem Slogan eine eigene Episode: https://youtu.be/WZOeQO7wTdc

Rule Britannia!

Macht doch mal einen kleinen intellektuellen Sonntagsausflug in die liberale Podcastszene Großbritanniens. Viele britische Liberale sind exlinke Atheisten, nicht wenige davon Comedians wie z.B. der homosexuelle Satiriker Andrew Doyle, der die hyperwoke Kunstfigur Titania McGrath erschuf. Während wir von der deutschen Queer-FDP in der nächsten Legislatur-Periode wohl eher Transgesetze und Pubertätsblocker als anti-woke Ideologiekritik zu erwarten haben, legt sich die liberale Podcastszene Großbritanniens sehr kampfeslustig mit dem Wokeismus an. Der Grund warum die Briten so woke-resilient sind ist meiner Meinung nach ihre starke Verwurzelung in Rationalität und vor allem: „Common Sense“. Nicht zu vergessen die britischen Feministinnen wie z.B. J.K. Rowling – GB is Home of the TERF (Trans Excluding Radical Feminist). Der amerikanische Popstar dieser liberal-konservativen Szene ist natürlich Jordan Peterson. Aber auch unabhängig von der zunehmenden Hinwendung von Peterson zum Christentum, bemerke ich, dass sich in dieser Szene eine neue Kompatibilität zu meiner eigenen theologisch-konservativen Weltanschauung entwickelt.
Das hat etwas mit der Dekonstruktion von Wahrheit durch die Postmodernen zu tun. Die Fällung des uralten Baumes namens Christentum wird für viele dieser Leute zunehmend als grosser Verlust im weltanschaulichen Wertefundaments des freien Westens gesehen. Dabei ist die Gottesebenbildlichkeit als eine der historischen Voraussetzungen für Theoriebildungen um Menschenwürde und Menschenrechte nur ein Beispiel.

Ich glaube da wächst im Hintergrund eine neue Weltanschauung, die wahrscheinlich noch Jahre braucht, bis er Deutschland erreicht: Der Postliberalismus.

OK kommen wir zurück zu den Podcasts:
Mein absoluter Liebling dort ist „Free Speech Nation“ [https://www.gbnews.uk/shows/free-speech-nation ] mit dem Comedian Andrew Doyle, der die großartige hyperwoke Kunstfigur „Titania McGrath“ erschaffen hat.
Episodentipp: Gast Brendan O’Neill [https://youtu.be/t72SvFB_DfM]

Auch extrem gut der Podcast Triggernometry. Dort stellen ein exkatholischer Noch-Atheist und ein nach GB ausgewanderter Russe die britische konservativ-liberale Szene vor.
Episodentipp: Die wunderschöne Alex Kaschuta [https://youtu.be/nzWx8U4POCg]

Weiter geht es mit dem libertären Marxisten Brendan O’Neill. Er ist Kolumnist und Editor des britischen Spiked Magazin [spiked-online.com], welches das Mutterschiff des deutschen Novo Argumente [novo-argumente.com] ist. Sein Podcast heisst: „The Brendan O’Neill Show

Alex Kaschuta, eine perfekt englisch sprechende, rumänischstämmige Migrantin, re-konservativ, Ex-Atheistin und Ex-Linke aus der Londoner Tech-Szene. Ihr Podcast heisst „Subversive w/Alex Kaschuta.
Episodentipp: Economist-Redakteurin Helen Joyce , die ihr neues Buch „Trans: When Ideology Meets Reality“ vorstellt.

Freiheit, die ins Nirgendwo führt

Der Freiheitsbegriff ist komplex. Doch kann man Freiheit im Wesentlichen so definieren: Freiheit heißt, der Mensch kann tun, was er will. Da schließt sich allerdings eine Frage an: Jeder kann tun, was er will. Aber kann jeder wollen, was er will? Schopenhauer hat darauf schon vor 200 Jahren hingewiesen, dass wir Kräften ausgesetzt sind, die unser Handeln bestimmen, ohne dass wir von ihnen Kenntnisse haben.  Diese Kräfte liegen in tiefen Schichten, die uns nicht wirklich zugänglich sind. Vermutlich sind wir deshalb nicht in dem absoluten Sinne frei, wie sich das manche vorstellen.

Und dann gilt es, auch noch folgenden Punkt zu beantworten: Wohin führte eine Freiheitsentwicklung, die immer neue Freiheiten einfordert? Wenn man sich anschaut, woher die Freiheit kommt, dann war es ein langer Weg zu der Freiheit, die wir heute genießen. Zunächst einmal lebten die Menschen in Gesellschaften, die politisch oppressiv waren. Aber auch das gesellschaftliche Klima ließ wenig Spielraum für individuelle Freiheit. Der Liberalismus hat das überwunden. Menschen dürfen ihre Meinung sagen und sie lösten sich von ihren Milieus. Das hatte auch seinen Preis. Viele Menschen fühlten und fühlen sich verloren.

Dann ging es darum Handlungsfreiheit für alle zu ermöglichen. Denn man erkannte, dass Freiheit auch materielle Voraussetzungen hat. Anders gesagt: Ohne Geld ist der Mensch nicht frei. Der Sozialstaat hat dafür gesorgt, dass die Menschen nicht in Freiheit verhungern müssen. Doch auch der Sozialstaat hat seinem Preis, denn er macht Menschen abhängig.

Nun ist man im Begriff, noch einen Schritt weiter zu gehen. Es genügt nicht mehr, von Milieus und Armut befreit zu sein. Man will auch von den eigenen biologischen Voraussetzungen befreit sein. Die Identitätspolitik geht deshalb den letzten Schritt: Freiheit von den geschlechtlichen Bestimmungen. Kurioserweise sperrt die Identitätspolitik uns aber wieder in Milieus und Gruppen ein und reduziert Freiheit. Es ist wohl immer so, dass Freiheit immer auch Unfreiheit mit sich bringt. Doch lassen wir diesen Aspekt einmal außen vor. Konzentrieren wir uns auf die freie Geschlechterwahl. Da wird so getan, als ob man sich vollkommen von den Gegenheiten lösen könnte.

Doch wenn man sich sein Geschlecht frei wählen kann, warum nicht auch seine Hautfarbe? Immerhin kann man ja auch behaupten, schwarz wäre das neue Weiß. Und warum könnte man nicht entscheiden, morgen ein Baum zu sein, wenn man sich so fühlt? Immerhin haben wir mit Bäumen viele Genome gemein. Wer kann eigentlich noch entscheiden, was Freiheit ist, was Wahnsinn, wenn alles ins Subjektive verlegt wird?

Mich erinnert die Entwicklung an die Geschichte vom Fischer und seiner Frau. Die wollte immer mehr. Zuerst waren ihre Wünsche nachvollziehbar. Dann wurde man unverschämmt. Schließlich größenwahnsinnig. Am Ende saßen sie beide wieder in dem Topf, aus dem sie dank des Fisches herauskamen. Und ich fürchte, genau so wird es uns mit der Freiheit gehen. Wenn man absolute Freiheit will, wenn man gottgleich sein möchte, dann wird man alles verlieren. Hoffentlich erkennt man das, bevor es zu spät ist.

Bild von Reimund Bertrams auf Pixabay