Aufrüsten und Nachrüsten

Aufrüsten und Nachrüsten

Schwarzbrot, Schwarzwald, Schwarzgeld oder auch Schwarzhandel; sind das alles Begriffe, die bald abgeschafft werden? Vermutlich. Wird das was ändern? Wohl kaum. Zumindest solange man hell und dunkel wahrnimmt. Man wird andere Wörter finden, die den Sachverhalt ausdrücken. Das gilt auch im Bereich der Geisteskrankheiten. Wer weiß noch, dass der Begriff „behindert“ eingeführt wurde, um einen Begriff wie „debil“ zu vermeiden, auch dies schon ein beschönigender Begriff, um nicht „Schwachkopf“ zu sagen. Schon bald wird man aber auch nicht „behindert“ sagen können, ohne dass viele daran Anstoß nehmen. Dann wird vermutlich das Wort „geistig eingeschränkt“ ein paar Jahre als politisch korrekt bezeichnet werden. Man könnte, wenn man weit in die Zukunft blickt, irgendwann auch solche Termini wie „mental andersartig“ oder „geistig alternativ“ benutzen. Ändern tut das nichts. Warum aber wird dann ständig an Begriffen herumgedoktert?

Ein Grund- und natürlich nicht der einzige – ist der Versuch, Dinge zu verschleiern. „Entlassen“, so etwas macht man heute nicht mehr. Vielmehr setzt man Mitarbeiter frei. Und Freiheit, das ist doch was Schönes. Sprache soll also nicht nur zeigen, sondern auch verbergen und entlasten.  Martin Walser meint jedoch: „Auch wer Sprache zum Verbergen benutzen will, verrät, was er verbergen will.“ Was verborgen werden soll, das sind die Dinge des Lebens, mit denen wir nicht gerne umgehen wollen. Und wie es aussieht, fällt es uns schwer zu Kenntnis zu nehmen, dass manche Menschen in der Tat einen Kopf haben, der nicht so gut arbeitet, als schwach ist. Dies sprachlich zu verschleiern, gelingt nicht gut.

Wenn wir um die Vergeblichkeit der Sprachänderungen wissen, wird sich dann etwas ändern? Sicher nicht. Das liegt auch daran, dass sich Begriffe Münzen gleich abnutzen. Münzen gehen durch viele Hände und verlieren ihre Prägung. Begriffe, die ständig benutzt werden, sind öde. Das gilt auch für Beleidigungen. Und so ist Idiot ein Wort, das kaum noch jemand benutzt. Es ist schwach geworden. Behindert ist viel „besser“. Da gilt es, wie unter feindlichen Mächten ständig auf- und nachzurüsten, damit das Wort originell und wirksam bleibt. Und die Wortfindungsmaschine des politisch korrekten Wortschatzes wird deshalb zur Goldmine für alle, die gerne mal austeilen und nach neuen Wörtern suchen. Roma, Migrant oder auch POC, sind das die neuen Beleidigungen? Es sind in jedem Fall Wörter, die gut gemeint sind, aber in Zukunft in bestimmter Absicht verwendet werden dürften, und zwar ohne, dass man sie als beleidigend identifizieren kann. Denn bis auf Weiteres gelten sie als korrekt. Und so arbeiten die „Guten“ den „Bösen“ in die Hände. Aber auch das war wohl immer schon so.

Bild von ELG21 auf Pixabay

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