Darf ich canceln?

Darf ich canceln?

Audianer_innen, Leser:innen oder Schülys… Das sind so die sprachlichen Auswüchse des Genderns. Nun schlägt ein Leser der FAZ vor, gegenzuhalten. Es sei aus seiner Sicht nicht sinnvoll, darauf zu hoffen, dass der Unsinn von allein vorübergeht. Es sei auch nicht vernünftig, sich zurückzuziehen. Man solle dagegenhalten. Aber hilft es, keinen Audi zu kaufen oder zu leasen, Zeitungen abzubestellen, die gendern, und Fernsehsender nicht einzuschalten, bei denen die Moderatoren den Glottisschlag benutzen? Das kann man noch erweitern. Wie wäre es, keine Partei zu wählen, wo gegendert wird? Und wie wäre es, gegen jeden Bescheid zu klagen, der in gendergerechten Sprache verfasst ist?

Meine Antwort: Es wäre richtig! Ich werde mir also keinen Audi kaufen. Natürlich auch, weil ich dafür kein Geld hätte. Das PNN-Abo läuft aus. Und was die Parteien betrifft, muss ich mir noch mal die Programme zum Gendern anschauen. Allerdings treibt es mich um, dass ich nun selbst der Cancel Culture bezichtigt werde. Was ist davon zu halten? Der Blogger mit dem Irokesenschnitt (kulturelle Aneignung der schlimmsten Form), Sascha Lobo meint dazu: „Es gibt eine ganze Reihe von Leuten mit denen würde ich mich niemals auf eine Bühne stellen, und das ist nicht der Untergang der Welt und auch nicht die große Bedrohung durch „Cancel Culture“. Sondern es ist meine freie Entscheidung und mein Teil der Debatte!“ Es geht also darum Grenzen zu ziehen.

Das überzeugt mich! Man sollte eine ziehen, wenn man seine Überzeugungen hat. Und dazu gehört es auch, andere zu boykottieren, um einmal ein altmodisches Wort zu verwenden. Es gibt allerdings ein kleines Problem. Lobo argumentiert aus einer Position der Stärke. Denn Audi, die Zeitungen, Lobo und das Fernsehen haben die Macht. Und ich habe sie nicht. Ich werde also gegen die große Macht canceln, die im Wesentlichen darin besteht, uns die gesellschaftlichen Diskurse vorzuschreiben. Ob ich so viel Macht habe, dass mich jemand hört, muss zwar bezweifelt werden. Aber selbst wenn ich sie nicht habe. Für uns geht es darum, dass wir unsere Würde behalten. Canceln kann uns dabei helfen.

Bild von Michał K. auf Pixabay

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